Univ.-Prof. Dr. Wilfried Engemann

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Kurzbiographie

  • geboren 1959 in Dresden
  • 1975 Abschluss der Allgemeinbildenden Polytechnische Oberschule „Fritz Heckert“ in Karl-Marx-Stadt (heute wieder: Chemnitz)
  • 1975-1977 Bautischlerlehre beim VE Wohnungsbaukombinat „Wilhelm Pieck“ Karl-Marx-Stadt  mit Facharbeiterabschluss
  • 1977-1983 Studium der Evangelischen Theologie am Theologischen Seminar Leipzig
  • Juni 1983 Erstes Theologisches Examen
  • September 1983 bis August 1984 Vikariat (I) in den Gemeinden Leipzig–Schönefeld und Leipzig–Sellerhausen (Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens)
  • September 1984 bis August 1989 Assistent am Theologischen Seminar Leipzig, zunächst für die Fächer Altes Testament und Praktische Theologie, ab 1986 nur noch für Praktische Theologie
  • April 1985 Promotion im Fach Praktische Theologie an der Universität Rostock zur Relevanz kommunikationspsychologischer Prozesse für homiletische Fragestellungen, publiziert unter: Persönlichkeitsstruktur und Predigt
  • September 1989 bis Mai 1990 Vikariat (II) in der Ev. Johannes-Kirchengemeinde Greifswald (Pommersche Evangelische Kirche)
  • März 1990 Zweites Theologisches Examen
  • Juni 1990 Entsendung in die 1. Pfarrstelle der Kirchgemeinde St. Marien, Greifswald
  • Juni 1990 Habilitation an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, publiziert unter: Semiotische Homiletik. Prämissen – Analysen – Konsequenzen.
  • Juni 1990 bis August 1994 Pfarrer an der St. Marienkirche und Privatdozent für Praktische Theologie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
  • Erntedankfest 1990: Ordination
  • April 1994 Ruf auf den Lehrstuhl für Praktische Theologie an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • September 1994 bis August 2011 Universitätsprofessor für Praktische Theologie und Universitätsprediger an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
  • Juli 1997 Ruf auf den Lehrstuhl für Praktische Theologie an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (abgelehnt)
  • November 2010 Ruf auf den Lehrstuhl für Praktische Theologie an das Institut für Praktische Theologie und Religionspsychologie der Universität Wien
  • Seit September 2011 Universitätsprofessor am Institut für Praktische Theologie und Religionspsychologie an der Universität Wien
  • Verfasser und Herausgeber zahlreicher Aufsätze, Monographien, Handbücher und Periodika (s. Link zur Publikationsliste unten)
  • Hobbies: Klavier, Singen, Fotografie

Forschungsschwerpunkte und Projekte

  1. Analyse, Kritik und Gestaltung religiöser Kommunikationsprozesse
    Eine der zentralen Herausforderung, vor der die Theologie insgesamt steht – die kritisch-konstruktive Begleitung der religiösen Praxis des Christentums –, stellt sich auf dem Gebiet der Praktischen Theologie in besonders hohem Maße: Weil es bei der Feier eines Gottesdienstes, beim Predigen und Hören, im seelsorglichen Gespräch, in den Bildungsprozessen des Unterrichts usw. um Kommunikationsprozesse geht, muss sich die entsprechende Praxis an den Prinzipien von Kommunikation orientieren.

    Das hat weitreichende Konsequenzen für das Selbstverständnis der Agierenden und ihren Umgang mit der jeweiligen Gruppe, mit der sie kommunizieren, ferner für den Umgang mit Texten und anderen Zeichen, für den Gebrauch der Sprache, für die Bezugnahme auf Situationen, für die Stimmigkeit der theologischen Argumentation u. a. m. Am Institut werden verschiedenste Kommunikationsabläufe, die im Kontext religiöser Kommunikation nachzuweisen sind, interdisziplinär analysiert, didaktisch aufbereitet und in Impulse zur Kritik und Neugestaltung dieser Prozesse transformiert.

    Exemplarische Publikationen:
    • Wilfried Engemann: Einführung in die Homiletik (UTB 2128), 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen/Basel 2011 (Auszüge)
    • Wilfried Engemann: Kommunikation des Evangeliums als interdisziplinäres Projekt. Praktische Theologie im Dialog mit außertheologischen Wissenschaften, in: Christian Grethlein/Helmut Schwier (Hg.): Praktische Theologie. Eine Theorie- und Problemgeschichte (= APrTh 33), Leipzig 2007, 137–232
    • Wilfried Engemann: Schriftautorität als Kommunikationsbegriff und hermeneutische Kategorie. Anmerkungen zum Umgang mit der Bibel im Gottesdienst, in: Michael Meyer-Blanck (Hg.): Säkularität und Autorität der Schrift (= VWGTh, Bd. 45), Leipzig 2015, 122-144
    • Wilfried Engemann: Lebensgefühl und Glaubenskultur. Menschsein als Vorgabe und Zweck der religiösen Praxis des Christentums, in: WzM, 65. Jg., H. 3 (2013), 218-237     

  2. Anthropologisch-religionspsychologische Erschließung der Glaubenskultur des Christentums
    Die Arbeit an einer praktisch-theo­logischen Anthropologie als Dreh- und Angelpunkt einer zeitgenössischen, dem Menschsein des Menschen entsprechenden Theorie und Praxis der Religion ist in den letzten Jahren weiter in den Fokus meiner Forschungen gerückt. Diese Schwerpunktbildung ergibt sich u. a. aus dem praktisch-theologischen Bedarf an einem anthropologisch stimmigen Begriff vom Menschsein, der mehr leistet, als die soteriologischen Weichenstellungen des 16. Jahrhunderts korrekt abzubilden. Die Gestaltung von Gottesdiensten und Predigten ist oft an einer Anthropologie orientiert, die auf das Konzept der Rechtfertigung des Sünders reduziert ist. In der zentralen, alle Human- und Geisteswissenschaften vereinenden Frage nach dem Menschen genügt es nicht, ein vermeintlich „biblisches Menschenbild“ gegen anthropologische Einsichten seit der Aufklärung zu verteidigen und es z. B. gegen „das moderne Leistungsprinzip“ zu entfalten. Es ist unausweichlich, den Menschen als Subjekt seines Lebens in den Blick zu bekommen, wozu u. a. eigene Urteile, begründete Entscheidungen und ein geklärter eigener Wille gehören.

    Ohne solche Instrumente der Lebensgestaltung können sich Menschen ihrem Leben nicht mit Hingabe und Leidenschaft zuwenden, nicht wirklich „in einem eigenen Leben ankommen“. Der Glaubenskultur des Christentums entspricht jedoch nur eine religiöse Praxis, die den Menschen als Menschen zum Vorschein kommen lässt. Hierfür Perspektiven zu entwickeln, setzt eine Fortsetzung des interdisziplinären Dialogs mit Humanwissenschaften (wie z. B. der Neurobiologie und der Kognitionspsychologie) voraus, die bis vor wenigen Jahren kaum als Gesprächspartner der Praktischen Theologie im Blick waren.

    Exemplarische Publikationen:
    • Wilfried Engemann: Vom Umgang mit Menschen im Gottesdienst. Probleme der impliziten liturgischen Anthropologie, in: EvTh, 72. Jg. (2012), H. 2, 101-117
    • Wilfried Engemann: Aneignung der Freiheit. Lebenskunst und Willensarbeit in der Seel-sorge, in: WzM, 58. Jg. (2006), H. 1, 28–48
    • Wilfried Engemann: Als Mensch zum Vorschein kommen. Anthropologische Implikationen religiöser Praxis, in: Wilfried Engemann (Hg.): Menschsein und Religion. Anthropologische Probleme und Perspektiven der religiösen Praxis des Christentums (= WFTR 11), Göttingen 2016, 17–42

  3. Lebenskunst als Anliegen der Seelsorge
    Die Frage nach einer „gekonnten“ Lebensführung, die mit einem guten Lebensgefühl einhergeht und Menschen gern leben lässt, hat eine lange Tradition. Sie reicht bis an die Anfänge von Philosophie und Theologie zurück. Angesichts spezifischer gesellschaftlicher Entwicklungen gewinnt sie gegenwärtig neu an Brisanz. Daher gilt es, Ressourcen der Lebenskunst auch im Kontext der christlichen Religion zu erschließen, Kriterien lebensdienlicher Predigten zu entwickeln und die Leitlinien einer Seelsorgekultur zu erörtern, die sich der Aufgabe stellt, etwas zu einem gelingenden Leben beizutragen – ohne damit dem Missverständnis der „Werkgerechtigkeit“ aufzusitzen, „Gewinnerbiographien“ in den Blick zu nehmen oder gar Erfahrungen von Scheitern, Schmerzen, Schuld usw. als Störungen eines erfüllten Lebens hinzustellen.

    Der angesichts dieser Herausforderung naheliegende Dialog zwischen Theologie und Philosophie hat zahlreiche Störungen und Unterbrechungen erfahren, was sich im praktisch-theologischen Diskurs als Hypothek erweist:  Anders als die Psychologie und die Soziologie war die Philosophie in den letzten Jahrzehnten nur spärlich in die Entwicklung zeitgenössischer Vorstellungen der Praktischen Theologie vom Leben­–Können involviert. Vor diesem Hintergrund wird versucht, anknüpfend sowohl an die religiöse Praxis des Christentums und seine Traditionen als auch an praktisch-philosophische Forschungen der Gegenwart konvergente Prämissen und Prinzipien eines gelingenden Lebens zu formulieren.

    Exemplarische Publikationen: (folgen)

  4. Kommentierte Edition der praktisch-theologischen Schriften und Vorträge Otto Haendlers in 5 Bänden
    Die Auseinandersetzungen um die psychologische Dimension sowohl der religiösen Praxis als auch der theologischen Arbeit gehören zu den folgenreichsten Diskursen der Theologie des 20. Jahrhunderts. In ihnen manifestiert sich die Suche nach neuen Kriterien der Praktischen Theologie, angefangen bei einer zeitgenössischen Anthropologie bis hin zu einer der Lebenswirklichkeit von Menschen gerecht werdenden Glaubenskultur. Otto Haendler (1890-1981) hat in dieser Hinsicht Bahnbrechendes geleistet und durch den direkten Dialog mit Humanwissenschaftlern seiner Zeit (unter anderem durch persönliche Kontakte mit Carl Gustav Jung) neue Standards und Reflexionsperspektiven in der Praktischen Theologie etabliert. Bedingt durch seine Professorentätigkeit unter den reglementierenden Publikationsbedingungen der DDR sind jedoch seine Arbeiten – gemessen an ihrer faktischen Bedeutung für die Entwicklung des Fachs – zum Teil nur wenig bekannt oder gar nicht veröffentlicht.

    Basierend auf einer bereits erfolgten, umfangreichen Recherche und einer digitalen Aufbereitung der praktisch-theologischen Schriften und Vorträge Otto Haendlers geht es nun darum, eine sorgfältige Auswahl der teils veröffentlichten, teil unveröffentlichten Texte in einer wissenschaftlichen, auf fünf Bände konzipierten Edition im Zusammenhang zugänglich zu machen. Das Interesse dieses Projekts richtet sich nicht nur auf eine systematische Präsentation brisanter Texte der Diskursgeschichte der Praktischen Theologie, sondern auf deren Erschließung anhand von Einleitungen, Kommentaren und Querverweisen. Dabei wird sowohl auf den zeitgenössischen Kontext der Schriften als auch – soweit es sich um schon publiziertes Material handelt – auf die Rezeption seit ihrem Erscheinen Bezug genommen.

    Die Edition soll bis Ende 2021 vollständig ediert vorliegen. Sie dürfte zur Überwindung schematistischer Klischees über „Phasen“ und „Epochen“ der Theologie des 20. Jahrhunderts beitragen und die Notwendigkeit sowie den bleibenden Gewinn des Dialogs zwischen Theologie und Humanwissenschaften markieren. Vor allem aber ist von dieser „Spurensicherung“ zu erwarten, dass sie ihrerseits neue Anregungen für eine zeitgenössische Praktische Theologie liefert, die ihre anthropologischen Prämissen und Perspektiven nicht nur dogmatischen Ableitungen verdankt, sondern im Dialog mit den Humanwissenschaften erarbeiten muss.

    OHPTh 1 (2015): Praktische Theologie. Grundriss, Vorträge und Miszellen
    OHPTh 2 (2017): Homiletik. Monographien, Aufsätze und Predigtmeditationen
    OHPTh 3 (2019): Seelsorge. Monographien, Aufsätze und Vorträge
    OHPTh 4 (2020): Glaube und Lebenswelt. Monographien, Aufsätze und Vorträge
    OHPTh 5 (2020): Praxis des Christentums. Schriften, Predigten und Kasualansprachen

Dissertations- und Habilitationsprojekte

Mitgliedschaften (Auswahl)

  • Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Semiotik; Informationen zur Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Semiotik (DGS) und zur Sektion Theologie und Religionswissenschaft (Vorstand 2006 bis 2008)
  • Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie e.V.
  • Mitglied der Societas Homiletica
  • Mitglied der Ethik-Kommission der Ärztekammer NRW und der Medizinischen Fakultät der Universität Münster (2006-2011)
  • Mitglied der Hans-Fallada-Gesellschaft e. V.

Homiletische Entwürfe Studierender

Die an dieser Stelle hochgeladenen Texte verdeutlichen die Funktion einzelner homiletischer Arbeitsschritte und Reflexionsperspektiven. Die darin enthaltenen Predigten sind keine Muster für „richtige Predigtaussagen“, sondern sollen als Modell einer theologisch begründeten und situationsbezogenen Kanzelrede dienen.