Otto Haendler: Seelsorge. Monographien, Aufsätze und Vorträge (= Otto Haendler. Schriften und Vorträge zur Praktischen Theologie [OHPTh], Bd. 3)

Eingeleitet, kommentiert und herausgegeben von Wilfried Engemann. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2019, 720 S.

(ISBN 978-3-374-03140-5)

ieser Band ist den psychologischen und theologischen Grundlagen der Seelsorge, der Erörterung ihrer therapeutischen und religiösen Dimension sowie der Entfaltung einer interdisziplinären Praxis gewidmet. Neben den Monographien Angst und Glaube sowie Das Leib-Seele-Problem in theologischer Sicht (Teil I und II) werden 18 Einzelbeiträge Haendlers neu bzw. erstmals ediert, eingeleitet und kommentiert. Teil III spiegelt Haendlers Einfluss auf die Prämissen und Perspektiven der Poimenik wider; Teil IV erörtert spezielle theoretische und praktische Fragen. Haendler entwickelt seine Seelsorgelehre im intensiven Dialog u. a. mit theologischen und psychologischen Konzeptionen seiner Zeit, so dass dieser Band auch zur Spurensicherung des entsprechenden Diskurses im 20. Jahrhundert beiträgt.

"Der Seelsorger kann und darf sich nicht damit beruhigen, dass der Betreute eine einwandfreie Gottesvorstellung [oder] ein unanfechtbares kirchliches Bekenntnis hat. Ein wesentlicher Teil der Seelsorge wird vielmehr dadurch notwendig, dass der Betreute [. . .] ein unbewusstes, von seinem Bekenntnis divergierendes Gottesbild hat und dass er im praktischen Leben auf dieses unbewusste Gottesbild, nicht auf das bewusste Bekenntnis reagiert." – Otto Haendler: Unbewusste Projektionen auf das christliche Gott-Vaterbild und ihre seelsorgliche Behandlung (1954)

"Mit dieser konsequenten Anwendung humanwissenschaftlicher (tiefenpsychologischer) Einsichten nicht nur auf Folgeerscheinungen, sondern auf Grundannahmen christlicher Glaubensexistenz ist Haendler Pionier gewesen." – Klaus Winkler: Das persönlichkeitsspezifische Credo (1982)