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Dr. Stefan Schumann

Dissertationsprojekt: Theorien und Technologien des Cyberspace im Kontext chiliastisch-utopischer Tendenzen der Neuzeit.

Mit dem Cyberspace und seinen inhärenten Theorien und Technologien steht uns der "Mythos" der kommenden Jahrzehnte ins Haus, der uns auf verschiedensten Ebenen herausfordern wird. In Verbindung mit anderen Technologien wie Robotertechnik, Gen- und Nanotechnologie wird der Mensch vor immer neuen Entscheidungsfragen einerseits des Verständnisses von Wirklichkeit und andererseits der Lebensgestaltung und Ethik zu stehen kommen.

Theorien des Cyberspace und verwandter moderner Technologien bemächtigen sich in Sprache und Zielvorstellungen ursprünglich religiös geprägten Materials und darin vor allem eschatologischer Vorstellungswelten. So erwecken die Weiterentwicklung der Technologie "Cyberspace" und der Computer selbst verschiedenste Hoffnungsvorstellungen von Frieden, Gemeinschaft, Einheit, aber auch von Überwindung des Todes, neuem Leben und neuer Welt im Sinne paradiesischer Entwürfe. Diese Studie will zeigen, in welchen Tendenzen und Traditionen der Neuzeit diese Theorien eingebunden sind. Sie geht von der Hypothese aus, dass das jüdisch-christliche Geschichtsverständnis als kulturelle Prägung seit der Aufklärung von teleologisch geprägten Sichtweisen von Geschichte assimiliert wurde. Dies ist an Utopieentwürfen genauso ablesbar wie an der Idee des "Fortschritts" in der Geschichte.

Als Folgerung zeigt sich, dass Cyberspace als eine Fortschritts-Utopie der Moderne zu betrachten ist, die Weltbild und Menschenbild im Gegenüber zur christlich-jüdisch geprägten Tradition von Hoffnung neu formuliert und damit diese letztlich zu verdrängen sucht. Der Vorstellung von der Menschwerdung Gottes tritt die Vorstellung von der Gottwerdung des Menschen entgegen. Diese Stufe wird als eine aus Natur und Technik gleichermaßen resultierende, evolutionäre Stufe auf dem Weg zur Vervollkommnung des Menschen und der Welt gesehen. Damit zeigt sich eine eigenwillige Vermischung von ontologischem und naturwissenschaftlichem Naturverständnis als deren Konsequenz der Mensch im Sinne einer Maschine bzw. eines Programms als unsterblich und ewig zu verstehen gesucht wird.

Obgleich nicht vorschnell von einer Technologiereligion die Rede sein kann, ergeben sich für die Handlungsfelder Praktischer Theologie notwendig Unterscheidungen und Abgrenzungen.

Abgeschlossen im Dezember 2002

Kontakt:

Dr. Stefan Schumann
E-mail: stefan.schumann@univie.ac.at

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